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Tadeusz Baj Die Bibliothek von Łańcut

Die Potocki-Bibliothek in Łańcut zählt zu den wenigen nach dem 2. Weltkrieg erhaltenen Hausbibliotheken einer Magnatenfamilie.

Sie wurde im Jahre 1798 im Auftrag der damaligen Eigentümerin Łańcuts, der Fürstin Izabela Lubomirska aus dem Hause Czartoryski (1736–1816), der Witwe des Hofmarschalls der polnischen Krone Stanisław Lubomirski (1720–1783), erbaut. Der mehrstöckige Bibliothekspavillon wurde von Christian Piotr Aigner entworfen. Der königliche Architekt entwarf ebenfalls die schönsten Räume des Palasts der Fürstin: den Ballsaal, den Großen Speisesaal und das Kleine Theater.

Von der einst umfangreichen Bibliothek der Fürstin sind heute nur wenige Bücher in Łańcut geblieben. Die meisten sind verloren; erhalten geblieben sind u. a. 18 mit Bucheignerszeichen der Fürstin versehene Frühdrucke sowie die Musiksammlung.

Ihre heutige Form erhielt die Bibliothek an der Wende vom 19. zum 20. Jh.; das Innere wurde von den Architekten Armand Bauqué und Albert Pio im englischen, spätviktorianischen Stil umgebaut. Die Bibliothek wurde damals mit bequemen englischen Möbeln aus dieser Zeit ausgestattet.

In den holzvertäfelten Schränken befinden sich heute 22.000 Bände. Dazu gehören Bücher über unterschiedliche Themen aus dem 19. und 20. Jh., Frühdrucke, neuzeitliche Handschriften, Kartografien, Zeitschriften und Grafiken. Zu den Schätzen der Potocki-Bibliothek gehören das Inwentarz Księstwa Koreckiego (Inventar des Fürstentum Korzec) von 1813, Karol Mannekens Inkunabel Formulae epistolarum von 1491, die Statuta Sigismundi Primi Poloniae Regis von 1524, die Kronika (Chronik) Marcin Kromers von 1555 sowie der Atlas von Wilhelm und Jan Blaeu Theatrum orbis terrarum sive Atlas novus aus den Jahren 1640–1655. Zu den Unikaten der Schlossbibliothek gehören die Adelszertifikate und die Urkunden des Ordens vom Goldenen Vlies, die den Łańcut-Eigentümern von Kaiser Franz I. verliehen worden waren.

Die wertvollste Abteilung der Bibliothek stellt die Musikaliensammlung dar, die von Izabela Lubomirska eingerichtet wurde. Izabela Lubomirska war eine vielseitige, musikalisch begabte Persönlichkeit und Kunstsammlerin. Sie veranstaltete in den Schlosssalons Konzerte, zu denen sie Künstler aus ganz Europa einlud. Die aus über 1500 Bänden bestehende Musikaliensammlung umfasst u. a. Manuskripte und handschriftliche Kopien von Partituren von Giovanni Battista Cimadoro, Giovanni Paisiello, Wolfgang Amadeus Mozart, Marcello Bernardini di Capua und Gioacchino Rossini.

Auf Grund einer Entscheidung des Ministeriums für Kultur und Kunst der Republik Polen ging die Sammlung der Łańcuter Schlossbibliothek 1998 in den Nationalen Bibliotheksbestand über.

Tadeusz Baj – Bibliothekswissenschaftler; Leiter der Bibliothek des Schlossmuseums in Łańcut

Übersetzung: Mirosław Wagner / Matthias Hermann

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